Samstag, 15. Mai 2010

Mitten ins Schwarze

Am Tag, an dem der Unfall passiert war, bat mich meine Schwester zu ihr nach Hause zu fahren. Sie hat eine Tochter, die in die dritte Klasse geht und ich sollte auf sie aufpassen, solange die beiden im Krankenhaus waren. Sie hat es überraschend gefasst aufgenommen. Ich musste ihr mein Ehrenwort geben, dass ihre Eltern ganz schnell wieder gesund werden, das hat ihr genügt. Sie kennt mich relativ gut, weil ich ungefähr einmal pro Monat vorbeikomme. Am Abend half ich ihr bei den Hausaufgaben. Weil am nächsten Tag eine Klassenarbeit anstand, fragte ich sie noch ein paar Sachen ab. Sie konnte alles richtig beantworten, war aber trotzdem nervös. Ich war vor Prüfungen eigentlich nie nervös. Auch wenn ich niemand war, dem einfach alles zufliegt, hatte ich immer Glück. Denn wenn ich nicht alles schaffte zu lernen, lernte ich eben auf Lücke. Und es kam immer genau das dran, was ich gut konnte. So kam ich immer gut durch. Sogar bei der Führerscheinprüfung, auf die ich wirklich nicht besonders gut vorbereitet war, habe ich es gleich beim ersten Mal geschafft. Meine Schwester hat früher immer gesagt, dass ich ein Glückskind sei. Das sagt sie auch heute noch manchmal. Nur nach dem Unfall nicht. Da musste sie mich nur ansehen, und wir wussten beide, was sie meinte.

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