Die erste Geschichte, die ich erzählen will, ist mir erst gestern beim Einkaufen passiert. Jemand hatte vor dem Supermarkt seinen Hund angeleint. Der jaulte und kläffte die ganze Zeit, während ich an der Kasse stand. Erst hatte mich das nicht weiter interessiert, aber als ich heraus kam, sah ich, dass dem Hund ein Kind gegenüberstand. Ein kleines Mädchen von vielleicht sechs oder sieben Jahren, das wie erstarrt mit dem Rücken zur Wand neben dem Eingang stand. Verkrampft hielt es seinen Turnbeutel in der Hand und schaute auf den Boden. Dem Hund floss schon der Speichel aus dem Maul. Er keuchte fast, weil er sich durch sein eigenes Ziehen das Halsband immer enger um die Kehle schnürte. So, als könnte ich gar nicht anders, machte ich einen Schritt auf ihn zu. Er tobte weiter. Ich machte noch einen, dann noch einen und langsam fing er an zurückzuweichen. Er wurde leiser. Als ich nah vor ihm stand, streckte ich meine Hand aus und legte sie ihm auf den Kopf. Er winselte einmal kurz, senkte seinen Kopf und schob seine Schnauze zwischen meine Beine. So blieb er ungefähr eine Minute, kam dann wieder hervor und fing an, meine Hand zu lecken und dabei wie wild mit dem Schwanz zu wedeln. Ich hockte mich zu ihm herunter und schaute zu dem Mädchen rüber. Es kam zu mir, flüsterte „Danke“ und lief davon.
Ich selbst habe nie Haustiere gehabt, bin nie ein besonders großer Tierfreund gewesen. Ich habe schon davon gehört, dass manche Hunde eher Männer oder Frauen bevorzugen bzw. aggressiv auf das eine oder andere Geschlecht reagieren. Vielleicht hat das Mädchen den Hund auch geärgert, was ich mir allerdings nur schwer vorstellen kann. Mir sind solche Sachen schon öfter passiert. Nicht nur mit Tieren, sondern auch mit Menschen, auf die ich eine beruhigende Wirkung zu haben scheine. Das war eigentlich schon immer so. Nur in letzter Zeit häufen sich diese Situationen, und ich frage mich, ob es dafür eine Erklärung gibt.
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